Marker
13.4. - 6.6.2025
In der Stratigrae dienen Marker als unverzichtbare Bezugspunkte zur Identikation und Datierung geologischer Schichten. Diese Markie- rungen ermöglichen es die zeitliche Abfolge und Entwicklung der Erdgeschichte nachzuvollziehen.
Der Begriff „Marker“ steht allgemein für prägnante Indikatoren, die gezielt zur Kennzeichnung oder Hervorhebung eingesetzt werden – sei es in der Forschung, Medizin oder Bildung.
Enrico Niemann verwendet hingegen ganz bewusst Falten, um subtile Übergänge und Abdrücke in der Oberäche seiner Arbeiten zu erzeugen. Dabei benutzt er verdünnte Acrylfarben, die er wie ein Indikator gebraucht, um das Zusammenspiel von Kontrasten und der gezielten Vermischung von Farben und Verläufen aufzuzeigen. So entstehen visuelle Ankerpunkte, die dem Betrachter einen Weg in eine vielschichtige Landschaft aus Form und Farbe eröffnen.
In seinen Arbeiten untersucht Enrico Niemann Verbindungen von Raum und Fläche mit malerischen und plastischen Methoden. Seine experimentellen Herstellungsverfahren lösen sich von den traditionellen Kategorien der Bildgestaltung.
Dafür baut er dreidimensionale Formen und bespannt sie mit Folie. Die Folie faltet sich in den Raum, hebt sich, senkt sich, grenzt ab und schafft das Gerüst der malerischen Komposition. Anschließend bearbeitet Enrico
Niemann diese Oberäche mit üssiger Farbe, die sich entlang der Falten ausbreitet, in Vertiefungen ießt und Rinnsale bildet. Zufällige Farbmischungen lagern sich neben provozierten Verläufen ab. Feuchte Farbächen erodieren an glatten Stellen, hinterlassen Risse im Farb- auftrag und versinken in bunten Lachen. In der Abfolge entstehen organische Schichtungen, die sich beim Trocknen zu einer krustigen Haut verbinden. Diese fragile Farb-Haut überträgt Niemann schließlich auf Papier – dem nalen Träger seiner malerischen Objekte. In dieser erneuten Transformation entstehen oft weitere, unkalkulierbare Verformungen.
Die so entwickelten Werke bilden keine statische Bildäche ab, sondern wachsen wie geologische Formationen in den Raum hinein. Oder sie entfalten sich wie topograsche Karten, in denen sich Zeit und Bewegung in mikroskopischen Strukturen sedimentiert haben. Die farbintensiven Verläufe offenbaren verschlungene Zusammenhänge, die sich erst beim genauen Betrachten erschließen. Malerei wird hier nicht als bloße Oberäche verstanden, sondern als Prozess, als Verbindung von Material, Raum und Zeit.
Die Arbeiten von Enrico Niemann bewegen sich zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen Konstruktion und Auösung. Sie laden den Betrachter dazu ein die Grenzen zwischen Bild und Objekt neu zu denken.





















